Fussball ist unser Leben

Gedanken eines Fans

Was wollen wir trinken…- Ein Samstagmorgen in Hamburg

Ein dezenter Sonnenstrahl über den Türmen der Stadt läßt mich recht früh aufwachen.

Es ist Samstag, der 14. April – der Geburtstag meines besten Freundes – HSV Heimspiel am 31. Spieltag der Saison – was gibt es schöneres – Vorfreude auf das gemeinsame Holsten und die obligatorische Stadionwurst bei Knappi an der Ecke – 96 ist zu Gast, der kleine Hsv – gute Stimmung – klarer Heimsieg und mit einem fröhlichen “Europapokal” aus den Kehlen 50.000 Gleichgesinnter langsam in Richtung des Parkplatzes schlendern… Uhpps, da drönt es mir in den Ohren, dieser Donnerschlag des schlechten Geschmacks “de, de, de, de, de deee, deee, deee, de was wollen wir trinken, sieben Tage lang…” ich bekomme es nicht aus meinem Kopf. Eine ganze Halbserie lang kam dieser sound in den Konferenzübertragungen immer wieder “Tor in Hoffenheim: de, de, de, de, de deee, deee, deee,” – was hat uns das damals schon geärgert. Und nun am Mittwoch die Höchststrafe: 4mal läßt der Fussball-INRI uns diesen Anschlag auf die Ohren auf uns einhämmern…-die knallharte Realität erfasst mich. Schnell wieder ins Bett nochmal neu aufstehen, vielleicht ist dann ja alles wieder gut…Nein, der frühe Vogel fängt den Wurm, unsere Jungs sind doch auch schon wach und bereiten sich auf das match vor – Kaffee, Eibrötchen und BILD studieren in der Morgensonne, das ist der Plan. Beim Anziehen dann die ersten Unsicherheiten. Alle Trikots sind verbraucht und brachten kein Glück diese Saison, ah das HSV Polo vom Auswärtstrip nach Valencia – das bringt die Wende, aber was ist mit meinem geliebten Schal, selbstgestrickt von meiner Mutter 1975 zum ersten Stadionbesuch mit Opa (2:0 Heimsieg gegen den Verein 109,5 km südwestlich von Hamburg), heute zählt es er muß dran glauben, ich hänge ihn wieder an die Gardrobe, und die Pudelmütze, ebenfalls ein Strickwerk aus dem Häkelbüdel Club unserer Mütter, die muß doch wenigstens mit – NEIN auch die lege ich wieder zurück – wir müssen in diesen Zeiten alles versuchen…Schon halb aus der Haustür gehe ich zurück, ich fühle mich nackt ohne meine geliebten HSV Devotionalien und der Respekt vor unseren Müttern verschafft mir ein schlechtes Gewissen, wenn es heute ohne Schal und Mütze klappt, kann ich die nie wieder tragen – ich lass nicht zu, daß meine Mutter am desaströsen Auftritt einiger charakterlosen Söldner mitschuldig gemacht wird!

Beim Gang durchs barrio dann der erste Hoffnungsschimmer, die selective Wahrnehmung läßt mich einen UNABSTEIGBAR Aufkleber erhaschen – ein gutes Omen.

Dann an der Reklamesäule von Ernst Litfaß ein Plakat mit unserern Pokalen aus dem HSV Museum – Erinnerungen werden wach, Hoffnung keimt auf – ja, heute wird es was!

Noch habe ich kein Blick in die BILD Zeitung geworfen, ich will mir nicht die gute Laune verderben – wie gerne würde ich positive Zeilen über die gute Leistung einer jungen, ambitionierten, leidenschaftlichen HSV Mannschaft lessen, ein Interview mit dem 21jährigen Jahrhundert Talent aus Dänemark hinter dem Bayern, Real und Barca her sinnt, der aber immer wieder betont, daß es für ihn nur einen Fussballverein gibt und er schon als kleiner Junge in HSV Bettwäsche geschlafen hat und daher bis 2021 einen Vertrag beim HSV unterschrieben hat…- und nicht sinnlose statements des überforderten Präsidenten und der Laienspieltruppe aus dem Aufsichtsrat. Da sehe ich ein Auto mit HH-SV Kennzeichen, dem wird es doch genauso gehen wie mir, was müssen wir uns außerhalb der Stadt von Leuten zur Zeit anhören, wenn die das Kennzeichen zum Anlaß nehmen einen anzusprechen…

Uhps was liegt denn da auf dem Mittelweg auf dem Bürgersteig: ein Glückscent – das nächste gute Zeichen, ich traue mich an die BILD, wie immer letzte Seite zu erst dann von hinten Richtung HSV Seite, “Harnik zerlegt Werder” – endlich gute Nachrichten…aber warum spielt der Ösi vom Elbdeich nicht bei uns? Zum Glück ist er fest in meinem Kicker Kader – meine HSVer sind schon seit Wochen nicht mehr von mir aufgestellt, die 96er Spieler verschaffen mir jede Woche anständige Punkte – bloß nicht dran denken – Ablenkung ist gefragt - Warum haben wir keine Spieler, die verstehen was in mir vorgeht, warum ruft mich keiner von denen an und entschuldigt sich und gibt mir Hoffnung…-OK ich traue mich, ich blättere die HSV Seite auf:
und schlimmer hätte es nicht kommen können:
Der HSV sollte ruhig mal absteigen

schreibt Alfred Draxler und fordert mich auf facebook Fan seiner Kolumne zu werden, sind die denn alle jetzt nicht ganz frisch - da NEEEEEEIN es dröhnt schon wieder de, de, de, de, de deee, deee, deee, - Hilfe ich will das aus meinem Kopf raus haben:
Bitte, bitte lieber Fußball-INRI laß uns heute gewinnen!!!